Lieber Farin…











Liebster Farin,

Du bist doch musikalisch, stimmt’s? Wäre es dann nicht auch für Dich großartig, wenn an so mancher Straßenecke Instrumente stehen würden? Ich fände es super.

Das passiert jetzt übrigens in London.

Kein Witz.

Auf Londons Straßen stehen ab Ende Juni 31 Klaviere zur freien Verfügung der Menschen, die spielen wollen. So steht es zumindest im Guardian:

The mayor of London is going to put 31 pianos around the capital for three weeks from the end of June, with only a couple of metal chains and a laminated songbook for protection against the wiles of vandals and metropolitan musicophobes. Each piano will have appropriate ornamentation – pound signs for the instrument outside the Bank of England, pseudo-psychedelic swirls for the Carnaby Street keyboard – and the hope is that a combination of public-spiritedness and musical responsibility will keep them in good condition.

Ich war positiv überrascht, daß ausgerechnet Boris Johnson, der Bürgermeister, der den Alkohol in Londons U-Bahnen verboten hat, so eine Idee haben sollte. Boris Johnson! Der ehemalige Herausgeber des Spectators, Boris Johnson. Boris Johnson. Ja, das wäre wirklich eine Überraschung gewesen. Aber, es war nicht seine Idee.

Der Dank für dieses wunderbare Projekt gilt den Machern dieser Seite hier.

Why is it that when I go to the laundrette I see the same people each week and yet nobody talks to one another? Why don’t I know the names of the people who live opposite my house? Play Me, I’m Yours was designed to act as a catalyst for people who regularly occupy the same space, to talk and connect with one another. Listening to the radio programme made by NPR about this project it seems to have worked.

Disrupting peoples negotiation of their city, the pianos are also aimed to provoke people into engaging, activating and claiming ownership of their urban landscape.

Diese Idee ist wirklich so simpel wie genial. Naja okay, simpel vielleicht jetzt nicht, aber genial auf jeden Fall.

Ich würde gerne Fotos von der Internetseite hier hochladen, aber gerade fehlt mit dazu die Fähigkeit. Vielleicht willst Du Dich ja eh selbst auf der Internetseite umsehen.

Es waren schon in mehreren Städten Klaviere aufgestellt worden, und man kann nur hoffen, daß irgendwann auch auf Deutschlands Straßen das ein oder andere Klavier stehen wird.

Aber machen wir uns nichts vor. In Deutschland würde das nicht funktionieren.

Warum?

Weil immer irgendein anstrengender Mensch schreien würde, “Das ist aber nicht erlaubt! Das ist zu laut!”

Schade.

In unserer Schulaula gab es eine Bühne. Die gibt es auch heute noch. Auf dieser Bühne ist immer ein Flügel gestanden. Da steht er heute noch. Ich habe keine Ahnung, warum er da steht, aber er tut es. Und als ich noch genötigt wurde, meine Pausen innerhalb des Schulgebäudes zu verbringen, habe ich tatsächlich einmal erlebt, daß sich ein Junge aus der Oberstufe an den Flügel gesetzt hat und die ganze Pause hindurch einfach gespielt hat. in der Aula war es totenstill, weil jeder zugehört und es genossen hat. Ich weiß nicht mehr, was der Junge gespielt hat, nur, daß ich in dem Augenblick unheimlich auf ihn stand und mir wünschte, ich könnte auch Klavier spielen.

Auch in meinen Lieblingskneipen haben sich immer Klaviere befunden, an denen spielen konnte, wer wollte (bzw. wer es konnte). Warum hat nicht jede Kneipe ein Klavier? Wie viel schöner wäre unsere Welt?

Sag mir, was Du davon hältst.

Deine marta



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