Lieber Farin…











Oh Farin, mein Farin,

weißt Du, wen ich wirklich nicht ausstehen kann? Ich meine jetzt mal abgesehen von der Münchner Schickeria, Amelie Fried und den anderen deutschen Literaturspacken. Michel “ich bin besser als ihr alle ” Friedman. Ich kann diesen solariumsverbrannten, in Selbstherrlichkeit badenden Kerl nicht ertragen. Wie hältst Du es mit ihm, Farin? Mich machen ein paar Menschen wirklich rasend, weil sie mir so unsympathisch sind. Günther Grass, Gregor Gysi, Gerhard Schröder (es kann aber nicht allein am Buchstaben G liegen), Oscar Lafontaine, Markus Söder und eben Michel Friedman. Weiter darüber nachgedacht, sind da noch eine ganze Menge mehr Menschen, die mir einfallen würden, aber vielleicht wäre es einfacher, Menschen aufzuzählen, die ich mag.

Egal.

Ich habe gestern Abend, als ich meinen Samstagabend mal wieder ganz wild zuhause vor dem Fernseher verbracht habe, eine Sendung Maischberger gesehen. Gäste waren Peter Scholl-Latour, Ulrich Wickert und eben Michel Friedman. Natürlich bin ich hängen geblieben, denn nichts bereitet mir mehr Freude, als meine Widersacher (die nichts davon wissen, daß sie meine Widersacher sind) zu beobachten, mir ihre Argumente anzuhören und mich dann darüber aufzuregen. Man muß sich mit den Argumenten der Gegenseite auseinandersetzen, sonst kann man es gleich aufgeben… was auch immer “es” sein mag.

Dummerweise lief nicht alles nach Plan. Ich mußte Michel Friedman an der einen oder anderen Stelle sogar zustimmen. Er hat Gerhard Schröder als “Freund der Diktatoren” bezeichnet und da hat er leider recht. Grrrrr. Was habe ich mich geärgert!? Aber dann, Gott sei es gedankt, hat Michel Friedman etwas gesagt, das mir die Möglichkeit gegeben hat, mich ihm wieder weit überlegen zu fühlen. Die Frage von Frau Maischberger war, ob man mit zunehmenden Alter intoleranter bezüglich Ungerechtigkeiten wird. Michel Friedman hat das klar beantwortet. Ja, er wird immer intoleranter, was Ungerechtigkeit betrifft. Leider hat Ulrich Wickert ihn schon beim nächsten Satz unterbrochen und leider hat Sandra Maischberger nicht weiter darauf beharrt, zu erfahren, welche Ungerechtigkeit Friedman da meint, aber eines wissen wir sicher, die Ausbeutung von Kokabauern in Kolumbien und die Ausbeutung von Frauen kann er damit nicht gemeint haben.

Oh ja, ich fange wieder damit an!! Michel Friedman hat sich damals sehr schnell und einfach aus der Affäre gezogen. Er hat sofort zugegeben, Kokain genommen zu haben, weil er wußte, daß das in Deutschland keinem Prominenten lange nachgetragen wird und weil er wußte, je mehr Aufhebens er um das Kokain macht, desto weniger würde man sich mit den Prostituierten beschäftigen, die angeblich aus der Ukraine stammten und illegal nach Deutschland gebracht wurden, damit geile Säcke sich an ihnen vergreifen und ihre Kokslines von ihnen schnupfen konnten. Aber auch das Kokain ist ja nicht ganz frei von Ungerechtigkeit.

Kommen wir also zu Friedman-Ungerechtigkeit Nummer 1: Kokain.

Wenn ich zu einer Drogen greifen wollte, wäre es wohl Kokain. Angeblich soll es das Hungergefühl unterdrücken und halbwegs konstruktives Arbeiten möglich machen. Zwei große Nachteile hat es allerdings, die mich Abstand nehmen lassen: Es ist sehr teuer und es wurde wahrscheinlich im Darm einer anderen Person nach Deutschland gebracht.

Alex James, Bassist einer der großartigsten Bands der Welt hat nicht nur einmal verkündet, er hätte in der Hochphase von Blur mehrere 100.000 Pfund für Kokain und Champagner ausgegeben hat (er spricht in seiner Autobiographie von 1.000.000 Pfund, aber wie soll er das denn bei so viel Kokserei noch genau sagen können?). Er wurde daraufhin von dem kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe eingeladen, sich anzusehen, was der Anbau und der Verkauf von Kokain Kolumbien antun. Die Einladung hat Uribe wohl an viele Prominente geschickt, von denen eine gewisse Affinität zu Kokain bekannt ist, aber Alex James war der einzige, der sie angenommen hat. Zusammen mit einem Kamerateam der BBC ist er nach Kolumbien gereist und hat seine Erfahrungen als Dokumentation zurückgetragen.


Solltest Du Dir die Sendung nicht ansehen wollen (so großartig ist sie ja auch nicht), kann ich Dir ja kurz schildern, was Alex James so erlebt. Er trifft sich mit dem Militär in Kolumbien und reist mit auf einen Einsatz, bei dem Kokaplantagen zerstört werden sollen. Aus der Luft sprühen die Soldaten ein Pflanzengift und auf dem Boden reißen sie Kokapflanzen aus der Erde. Die Plantagen sind oft mit Tretminen versehen, so daß nicht nur ein Soldat bei einem solchen Einsatz gestorben ist (tatsächlich stirbt während Alex James’ Zeit in Kolumbien einer der Soldaten bei so einem Einsatz). Unter anderem trifft sich Alex James auch noch mit einem Kokaindealer, einem Auftragskiller, der für Drogenbarone arbeitet, einem Konsumenten und einem Schmuggler, der immer wieder im Gefängnis landen wird, dem das aber, angesichts der lukrativen Bezahlung egal ist. Natürlich trifft Alex James auch einen hohen Politiker aus Kolumbien, den Vizepräsidenten Francisco Santos Calderon. Der sagt zu Alex James:

“[If a] person starts consuming coke, all that money comes here to finance landmines, destruction of the environment, terrorism, kidnapping, displacement.

If I say it, they won’t believe me. If you say it, because of what you saw, they’ll believe you a lot more.”

Alex James hat im Rahmen der Sendung auch einen Bauern getroffen, der seinen Lebensunterhalt seit mehreren Jahren mit dem Anbau von Kokapflanzen verdient. Der erklärt, daß er gerne andere Sachen anbauen würde, aber für die besteht eben kein so großer Markt. Kokain verkauft sich auf der ganzen Welt. Außerdem berichtet dieser Bauer auch von den Schäden, die die Chemikalien anrichten, die das Militär aus der Luft auf die Plantagen sprüht. Auch wenn Alex James gesagt wurde, daß damit nur die Kokapflanzen zerstört würden, sieht man doch, daß es auch Bananenbäume u.ä. trifft.

Dieser ewige Kreislauf scheint Friedman nicht ungerecht genug zu sein.

Kommen wir also zu Friedman-Ungerechtigkeit Nummer 2: Zwangsprostitution.

Dienste von Prostituierten zu beanspruchen ist in Deutschland nicht strafbar. Das ist gut, denn sonst würden noch mehr Irre auf der Straße herumrennen und sich willkürlich an Frauen vergreifen. Machen wir uns nichts vor, welche Abartigkeiten Prostituierte “abarbeiten” möchten wir “normale” Frauen uns doch gar nicht vorstellen und wir sind froh, daß jemand anderes sich damit befaßt. Aber auch wenn ein Mann keine Straftat begeht, hat er doch wenigstens die moralische Verantwortung, sich um die Frau zu scheren, die er da besteigt, in dem Sinne, daß er sich dafür interessieren sollte, ob sie sich freiwillig prostituiert, ob sie freiwillig im Land ist, ob sie aufhören kann, wenn sie will, ob sie etwas an ihrer Arbeit verdient, ob die Verletzungen an ihrem Körper einer Erklärung bedürfen, etc.. Das alles hat Michel Friedman, damals noch eine selbsternannte moralische Instanz im deutschen Fernsehen nicht getan. Er hat sich bei Menschenhändlern Frauen bestellt und die dann gebraucht wie man ein Taschentuch gebraucht. Die ganze Abwicklung läuft über Zuhälter, die die Frauen zu dem zwingen, was sie da tun. Michel Friedman muß das gewußt haben, weil es jeder erwachsene Mensch weiß.

Man kann über Alice Schwarzer denken, was man will (z.B., daß sie eine paranoide Angst hat, von einer anderen Frau Konkurrenz zu bekommen), aber sie hat bei vielen Punkten recht. Als damals die Bombe geplatzt ist und Michel Friedman eine alberne Pressekonferenz gegeben hat, hat Sandra Maischberger ein interessantes Interview mit Alice Schwarzer geführt. Da heißt es:

Maischberger: [...] Was ist tatsächlich Prostitution aus Osteuropa? Was wissen Sie darüber? Ist das immer so, dass man voraussetzen kann, jede dieser Frauen, die nach Deutschland kommt, tut dieses auf unfreiwilliger Basis, ist verschleppt worden, ist zu dem, was sie da tut, gezwungen worden? Oder gibt es da auch andere Wege? Ich frage das, weil Sie das Thema wahrscheinlich anders recherchiert haben.

Schwarzer:
Wir wissen heute in der Tat eine Menge über Zwangsprostitution und Frauenhandel. Die Mehrheit der in Deutschland als Prostituierte arbeitenden Frauen – das sind ja nicht immer Prostituierte, das sind Akademikerinnen, Friseurinnen, Hausfrauen, junge Mädchen – die Mehrheit dieser Frauen sind heute Ausländerinnen. Und diese Ausländerinnen kommen jetzt zunehmend aus Osteuropa, wo es eben Arbeitslosigkeit und Elend gibt und auch Brutalität. Denn in diesen Ex-Militärdiktaturen, da sind ja auch die Männer verroht. Diese Frauen sind in der Tat manchmal wirklich richtig zwangsverschleppt. Darüber gibt es viele, sehr ernstzunehmende Berichte von Journalisten, der Polizei usw. Sie werden betäubt und einfach über die Grenze geschleppt oder sie werden unter falschen Voraussetzungen mit Täuschung rübergelockt. Es sind aber sicherlich auch manchmal Frauen darunter, die wissen oder ahnen, dass sie als Prostituierte arbeiten werden. Und die sich, weil sie in materieller Not sind oder es verführerisch finden, mehr Geld zu haben, darauf einlassen. Was sie nicht wissen ist, dass das System hier, die Menschenhändler-Mafia, ein Interesse daran hat, sie sofort ganz zu brechen und rechtlos zu machen, um sie noch gefügiger zu machen und noch härter abkassieren zu können. Diesen Frauen – auch denen, die wissentlich kommen – werden die Papiere weggenommen, sie werden routinemäßig Gruppenvergewaltigungen und Erniedrigungen unterzogen damit sie richtig fertig sind und gar nicht mehr erst wagen, sich zu wehren oder gar zur Polizei zu gehen. Und sie alle bekommen nur eine ganz geringe Summe von dem großen Geld, dass ihre Menschenhändler kassieren. Michel Friedman ist nicht nur Jurist. Michel Friedman ist ein Mensch, der selber einer Gruppe von Menschen angehört, die die schwersten dramatischsten Erfahrungen mit Entmenschlichung, mit Entwertung, gemacht hat. Er hat ein sehr schweres Erbe von seinen Eltern, die ja sogenannte Schindler-Juden waren, das heißt die ihr Überleben überhaupt nur diesem Trick von Herrn Schindler zu verdanken haben, Juden, die abtransportiert werden sollten, als Arbeiter zu reklamieren. Er weiß das alles. Ich gebe zu, ich habe an Michel Friedman, den ich seit langem kenne, natürlich keinen höheren Anspruch als an andere Menschen, das wäre unangemessen. Aber es schmerzt besonders von dieser Seite, die so viel Bitteres selber erfahren hat, die so um Menschenwürde kämpft, zu erfahren, dass Frauen für ihn offensichtlich nicht zu den Menschen gehören. Darum war für mich diese Presseerklärung, bei aller demonstrierten Bescheidenheit und Reuigkeit, die ich ihm auch gerne abnehme, noch mal eine Verschärfung in Bezug auf diese Problematik.

Maischberger:
Heute ist es Fakt, Friedman hat den Strafbefehl akzeptiert. Damit weiß man sicher, dass auch die Art, wie das bekannt geworden ist, nämlich der Kokainbesitz, als gesichert gelten kann. Das heißt, man kann auch mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen, dass er mit Prostituierten in Kontakt gekommen ist von diesem Menschenhändlerrisng. Nur, so wie Sie es jetzt formulieren, unterstellt es ja auch: Er weiß über die Hintergründe. Kann es nicht auch sein, jetzt aus seiner Sicht gesprochen, dass er nichts davon wußte, dass er nicht ahnen konnte, worauf er sich da einläßt?

Schwarzer:
Ich halte das für ganz und gar unwahrscheinlich. Er ist Jurist, er arbeitet als Journalist, er ist ein gut informierter Mensch. Das Thema Frauenhandel, Zwangsprostitution, liegt seit Jahren auf dem Tisch. Ich glaube, die Heimat seiner Eltern ist Polen. Das heißt, er beschäftigt sich vielleicht intensiver als viele andere mit Osteuropa. Er kann behaupten nichts gewusst zu haben, aber ich glaube, er würde es noch nicht mal. Natürlich weiß Friedman um Zwangsprostitution, und natürlich kennt er die Verhältnisse und auch das Kokain gehört ja zu diesem Milieu. Wir haben es ja hier mit der organisierten Kriminalität zu tun, das kommt noch hinzu. Jemand, der mit diesem Milieu zu tun hat, macht sich erpressbar.

An anderer Stelle heißt es:

Schwarzer: [...] Es [geht] in dem ganzen Fall Friedman nicht nur um Strafrechtliches. Wir haben es hier mit jemandem zu tun, der eine öffentliche Person und eine moralische Instanz ist als stellvertretender Vorsitzender des jüdischen Zentralrates. Ich hatte Michel Friedman bisher so verstanden, dass gerade er – und auch vor allem in dieser Funktion – dafür kämpft, dass man auch unter widrigsten Umständen Menschen als solche erkennt und sie respektiert. Darum wäre es gerade in dem Zusammenhang wichtig gewesen, auch von der Tatsache zu sprechen, dass es hier um einen Mann geht, der sich bei Zuhältern, bei Menschenhändlern, Frauen bestellt hat. Und vielleicht auch nicht zufällig gerade diese Frauen, die noch abhängiger und noch williger sind als eine Prostituierte, die legal arbeitet und mit der der Freier direkt verhandelt.

Maischberger:
Karen Duve im Spiegel hat einen Angriff geschrieben gegen Michel Friedman. Da hatte man das Gefühl, rauslesen zu können, wenn er selber die Frauen angesprochen hätte, Prostituierte, sie um ihre Dienste gebeten hätte, wäre das eben eine andere Sache als die Bestellung über den Menschenhändlerring. Ist das tatsächlich ein Unterschied, den Sie auch so machen würden? Also Prostitution mit normalen Prostituierten okay, aber auf die Art und Weise nicht?

Schwarzer:
Ich finde, ehrlich gesagt, Verhältnisse, in denen Menschen glauben, sich das Anfassen von Körper und Seele anderer Menschen erkaufen zu können, gesamt problematisch. Aber in der Tat, Karen Duve hat in diesem ja sehr genauen, sehr menschlichen Text, darauf aufmerksam gemacht, dass die Tatsache, sich nicht nur eine Prostituierte zu bestellen, mit ihr direkt zu verhandeln, sie zu fragen, was bekommst du dafür und ihr das Geld zu geben – sondern anzurufen bei irgendwelchen Männern, Bewachern wie es heißt, die diese Frauen dann bringen und auch kassieren. Die Frauen bekommen nicht mal selber das Geld. Ich glaube auch, wenn man nur einmal die Frauen als Menschen wahrnehmen würde, genauer hinschauen würde, würde man vielleicht nicht nur Verletzungen – blaue Flecken, die bekannten Brandstellen durch ausgedrückte Zigaretten usw. erkennen – man würde vielleicht auch an den Augen sehen, dass es hier nicht um Lust geht, sondern um Unterwerfung. Und das ist das verschärfte Problem bei dieser Art von Freiertum. Hier wird ja nicht Sexualität oder Lust gekauft, hier wird Macht gekauft. Und Michel Friedman, der ja interessanterweise selber von einer Lebenskrise spricht, ist offensichtlich in einen Machtrausch geraten. Das hat ihm noch nicht gereicht, es musste noch mehr sein. Das Problem ist bei diesem Machtrausch, dass er auf Kosten anderer Menschen geht. Und dazu habe ich ein klares oder zumindest ein indirektes Wort sehr vermisst. Seine Lebensgefährtin hätte das vielleicht auch gerne gehört.

Mehr gibt es dazu nicht zu sagen, oder? Naja, vielleicht außer, daß ich froh bin, daß sich Michel Friedman mit dieser ganzen Aktion selber ins Aus geschossen hat, was den Vorsitz, bzw. die Präsidentschaft des Zentralrats der Juden in Deutschland betrifft. Ich wette, den/die hätte er immer gerne gehabt. Er wäre aber nie ein Ignatz Bubis geworden. Charlotte Knobloch wird das übrigens auch nie werden. Aber wahrscheinlich will das auch keiner von beiden.

marta



Hallo Farin,

tut mir leid, wenn ich Dich so etwas frage, aber nachdem das gestörte Verhältnis von Jugendlichen zu Sexualität gerade überall Thema ist, springe ich natürlich gleich mit auf den Zug auf. Hast Du das Buch von Bernd Siggelkow schon in den Händen gehabt? Ich ja noch nicht und ich bin mir auch gar nicht so sicher, ob ich da reinlesen will. Ich will nicht lesen, daß Kinder Sex haben. Ist doch irgendwie falsch. Da stimmt einfach etwas mit unserer Gesellschaft nicht. Eine Kollegin hat sich am Mittwoch Stern TV angesehen und sie hat mir erzählt, daß da eine Mutter (51) freimütigst darüber geredet hat, daß sie ihrer Tochter und deren Freund vor zwei Jahren, als die Teenies 15 waren, Pornos gegeben hat. So eine fürsorgliche Dame. Nicht, daß die Kids sich die Pornos am Ende irgendwo in der Videothek oder aus dem untersten Fach im Schrank ihres großen Bruders holen müssen…

Ein Interview mit Siggelkow findest Du hier.

“Deutschlands sexuelle Tragödie – Wenn Kinder nicht mehr lernen, was Liebe ist” ist der Titel eines schockierenden Buches. Die Autoren Bernd Siggelkow und Wolfgang Büscher berichten von emotional verwahrlosten Jugendlichen, die sich in die Welt der Sexualität flüchten. Immer jünger, immer häufiger und heftiger gehe es zur Sache: Im Kindergarten spielt man Gruppensex, 15-jährige verkaufen selbst gedrehte Privatpornos auf dem Schulhof, und 17-jährige Mädchen sind stolz auf ihre 50 Liebhaber.

“Das sind nicht nur ein paar Durchgeknallte”, sagt Siggelkow, der das Kinder- und Jugendwerk “Arche” in Berlin gegründet hat. Er schätzt, bereits fünf bis zehn Prozent der Jugendlichen sind sexuell völlig desorientiert.

In dem Interview heißt es:

Wofür steht Sex bei den Jugendlichen?

Einmal hat mich eine Elfjährige gefragt: “Bernd, bin ich hässlich? Mit mir war nämlich noch nie ein Mann im Bett.” Ich glaube, viele dieser sexuell desorientierten Jugendlichen suchen die Liebe und Anerkennung, die sie nie bekommen haben. Die meisten, mit denen ich gesprochen habe, wollen einen festen Freund und später Kinder haben. Aber je mehr Partner und je häufiger sie unüberlegt Sex in jungen Jahren haben, desto beziehungsunfähiger werden sie.

Verwechseln sie Sex mit Liebe?

Viele Jugendliche unterscheiden nicht zwischen der Welt der Pornos und der normalen Welt. Sie beziehen einen wesentlichen Teil ihrer Bildung aus der Bildzeitung, von Porno-Rappern und aus Sexfilmen. Dass sie Pornos interessant finden, ist normal, das war schon immer so. Aber heutzutage wird das nicht mehr gefiltert, sie leben in Familien, in denen nicht darüber gesprochen wird und die Bilder als etwas Irreales eingeordnet werden. Viele Jugendliche küssen sich nicht mehr – weil im Porno nicht geküsst wird. Sie verhüten nicht – weil im Porno nicht verhütet wird.

Ich bin ja nicht unbedingt der Überzeugung, daß Alice Schwarzer in allem Recht hat, aber ich denke schon, daß sie mit ihrer Anti Porno-Kampagne (PorNO) auf einem extremen aber vielleicht notwendigem Weg ist (stimmen Dativ und Akkusativ?).

Die Kinder und Jugendlichen sehen sich heutzutage schon sehr früh Pornos an. Hardcorepornos. Die Teenies denken, so funktioniert Sex und wollen ihn dann auch genauso umsetzen. Sie fangen nicht an mit der guten alten peinlichen Missionarsstellung, sondern starten gleich mit “von hinten, von vorne, im Stehen mit Spucken und in Gruppen” voll durch. Das denke ich mir übrigens nicht aus, falls Du das jetzt denkst. Nein, nein, nein, dafür gibt es Bestätigung durch Menschen, die es wissen müssen.

Hamburg – Prostituierte registrieren eine neue Freier-Zielgruppe: Minderjährige. “Das ist legal, solange der junge Puffgänger mindestens 16 Jahre alt und damit dem Schutzalter entwachsen ist”, berichtet das Online-Magazin “20 minuten”. “Ich stelle in letzter Zeit in allen Betrieben, die ich in der Deutschschweiz betreue, eine deutliche Zunahme von jugendlichen Freiern fest”, sagt Milieu-Berater Alfredo Lardelli. “Oft verlangen sie Praktiken, wie man sie aus den Internet- und Handy-Pornos kennt, die unter den Jugendlichen kursieren.”

Auch Thomas Seeholzer, Leiter des Freier-Projekts Don Juan der Zürcher Aidshilfe, kenne das Phänomen, berichtet “20 minuten”: “Viele Teenager scheinen zu glauben, der Gang zu Prostituierten gehöre zum Mannsein, sind aber auch sehr unsicher”, so Seeholzer.

Denk bitte nicht von mir, ich wäre eines dieser spießigen, alten Weiber, die Sex nur aus Büchern kennen und die immer das Licht ausmachen. Okay, vielleicht bevorzuge ich die Dunkelheit, wenn Du es genau wissen willst (ist aber auch echt nicht ganz leicht, auf alles gleichzeitig zu achten, den eingezogenen Bauch, den halbwegs leidenschaftlichen Gesichtsaudruck, etc.), aber auch ich weiß, daß Sex Spaß machen kann. Ich weiß auch, daß es da ganz viel zu entdecken gibt, wenn man mal angefangen hat und die ersten peinlichen Versuche hinter sich gebracht hat, aber bitte halt erst, wenn man wenigstens die 16 überschritten hat. Vorher bitte nur knutschen und vielleicht, wirklich nur, wenn es sein muß, ein bißchen fummeln. Heavy Petting sozusagen (ich versuche übrigens schon seit zwei Jahren, den Begriff wieder in den normalen Sprachgebrauch zurückzubringen, bis jetzt nicht wirklich erfolgreich. HEAVY PETTING!!).

Da fällt mir übrigens wieder mein kleiner Spatz, der Schlagzeuger der Killerpilze ein. Ich weiß ja nicht, ob er sich in der Zwischenzeit wild durch sämtliche Betten fummelt, aber ich erinnere mich an ein irgendwas im Fernsehen, in dem weibliche Fans der Jungs gezeigt wurden. Da waren also 13-jährige Mädchen, die davon gesprochen haben, wie sexy der Kleine ist. Das wurde dem Jungen dann auch erzählt und er meinte nur etwas hilflos dazu, daß er doch noch nicht einmal Sex hat, und deswegen mit der Aussage so gar nichts anfangen kann und es nicht versteht, warum die Mädchen das sagen. Ach, der Süße!

Schaust Du Dir eigentlich diesen albernen Sex-Report auf Pro7 an? Ich tue es nicht. Mich interessiert es nicht, wie viele Menschen was toll finden. Ehrlich. Mich interessiert mein Sexualleben schon nicht sonderlich, dann sind mir die der anderen Menschen erst recht egal. Ich habe das so verstanden, daß da Leute vor der Kamera über ihre Vorlieben reden, während immer wieder Statistiken genannt werden. Wie selbstherrlich muß man eigentlich sein, um das Gefühl zu haben, daß das wirklich jemanden interessieren könnte? (sagte die Dame, die ihre Gedanken im Internet verewigte)

Ich bin ein Mensch, der was mit Statistiken anfangen kann. Das reicht mir vollkommen. Ich brauche nicht die Statistik, wie viele Menschen an sich herumgrabbeln und wie oft, um dann einen Menschen zu sehen, der mir erzählt, wie oft er an sich herumgrabbelt, um dann einen Einspieler zu sehen, in dem ein Mensch (der hübsch gebaut ist) an sich herumgrabbelt. Da ist es mir auch egal, ob Oswald Kolle als netter Onkel daneben steht.

Die 70er sind vorbei, die sexuelle Revolution frisst gerade ihre Kinder! Herzlichen Dank, Herr Kolle!

Ich finde, Sex und Masturbation sollte wieder heimlicher werden. Vielleicht sollte man seinen Kindern wieder erzählen, daß Onanie blind macht. Vielleicht sollte man nackte Menschen wieder nur nach nach 23 Uhr zeigen, anstatt die ganze Zeit. Vielleicht würde Sex dann wieder zu etwas besonderem werden. Ach, wär das schön.

Deine, Sex vollkommen überbewertet findende

marta



et cetera
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