Lieber Farin…











Liebster Farin,

Dir wird aufgefallen sein, daß ich schon einmal deutlich politischer war. Was habe ich mich nicht lautstark eingesetzt und mit Dir Probleme unserer Gesellschaft diskutiert?! Ich bin immer noch voll dabei, denk nicht, ich hätte aufgehört. Jetzt ist es mir nur manchmal zu anstrengend, alles aufzuschreiben.

Ich werde jetzt auch nicht viel schreiben, ich werde nur wieder auf etwas hinweisen, was ich ganz großartig finde und was mir den Anschein einer engagierten Person gibt (zwei Fliegen mit einer Klappe, STRIKE!). Die Fußballweltmeisterschaft der Obdachlosen!!


Ja, es ist wirklich schon wieder so weit. Ich weiß, mir kommt es auch so vor, als wäre die letzte erst vor wenigen Monaten zu Ende gegangen. Das bedeutet wirklich, daß ich schon wieder ein Jahr älter bin. Es bedeutet aber auch, daß dieses Horrorjahr bald vorbei ist.

Dieses Jahr findet der Homeless World Cup in Mailand statt. Seit Wochen bekomme ich Nachrichten, daß Freiwillige gesucht werden. Hobbyfilmer sollen sich melden. Und natürlich sollen möglichst viele Fans kommen. Gott, würde ich gerne nach Mailand fahren und das miterleben. Ich habe nur leider keinen Urlaub. Aber solltest Du Zeit haben, mein platinblonder Held, fahr doch bitte hin und sag mir, wie es war.

Deine marta

P.S.: Ich würde gerne einen Link auf die Seite des Homless World Cup setzen, aber die Seite schein abgestürzt zu sein. Dann nur die Adresse: www.homelessworldcup.org.



Hola Farin,

ich habe Dir doch von der Fußballweltmeisterschaft der Obdachlosen erzählt, die dieses Jahr in Melbourne stattfindet. Nun, gestern ist der Startschuß gefallen und Deutschland hat bereits zwei Spiele bestritten.

Mannschaftsfoto der deutschen Nationalmannschaft

Bis jetzt scheint es nicht wirklich schlecht zu laufen. Das erste Spiel gegen Griechenland haben wir (vor allem wir) 8:6 gewonnen. Das zweite, das gegen Kenia haben wir leider 12:2 verloren. Trotzdem führen wir im Augenblick mit Kenia die Gruppe an.

Morgen spielt Deutschland gegen Südafrika. Ich bin gespannt und drücke die Daumen.

Deine marta



Olé olé!

Wußtest Du, daß es so eine Veranstaltung gibt? Ich nicht. Ich habe es vorgestern erfahren, als ich neutralisiert auf meiner Couch gelegen bin und mich über den Münchner Tatort geärgert habe (der war blöd) und nicht wußte, was ich mir noch anschauen sollte. Ich hätte auch ein Buch lesen können, aber das ist ein anderes Thema. Auf 3Sat oder WDR kam dann eine Dokumentation namens Abseits über die Schweizer Nationalmannschaft im Obdachlosenfußball, und bei der bin ich dann hängen geblieben.

Einzug der Spieler

Tatäschlich existiert seit 2003 eine jährlich stattfindende Weltmeisterschaft. Dieses Jahr findest sie (vom 1. bis 7. Dezember) nach Städten wie Edinburgh, Graz, Kapstadt, Kopenhagen und Göteborg  in Melbourne statt.

There are one billion homeless people living in our world today.

The Homeless World Cup exists to end this, so we all have a home, a basic human need.

The Homeless World Cup is an annual, international football tournament, uniting teams of people who are homeless and excluded to take a once in a lifetime opportunity to represent their country and change their lives forever. It has triggered and supports grass roots football projects in over 60 nations working with over 25,000 homeless and excluded people throughout the year.

The first tournament took place in Graz 2003 uniting 17 national teams. At the 5th Homeless World Cup in Copenhagen this summer, 48 nations, 500 players were united for a once in a lifetime opportunity to represent their country. Melbourne is the host city for the next tournament from 1-7 December 2008.

The impact is consistently significant year on year with 73% of players changing their lives for the better by coming off drugs and alcohol, moving into jobs, education, homes, training, reuniting with families and even going on to become players and coaches for pro or semi-pro football teams.

The Homeless World Cup supporters include UEFA, Nike, UN, Manchester United, Real Madrid, Ambassador Eric Cantona and international footballers Didier Drogba and Rio Ferdinand.

Tatsächlich ist das eine sehr gute Idee, finde ich. Vor allem, wenn es den Spielern wirklich hilft, wieder ein Bein auf den Boden zu bekommen. Andererseits ist der eine oder andere ja nicht ganz unschuldig an seiner Situation. So bestand das Schweizer Team zu einem nicht unwesentlichen Teil aus Drogenabhängigen (was zu der absurden Situation geführt hat, daß der Betreuer eine große Menge Methadon im Gepäck hatte). Jetzt sage ich natürlich nicht, daß man diesen Menschen nicht helfen sollte, aber man kann sich doch vorstellen, daß es bei ein paar von ihnen vergebliche Liebesmüh’ sein wird (ich habe nur zwei Monate mit einem Junkie zusammengewohnt, aber das hat mir schon gereicht, um zu wissen, daß es unheimlich frustrierend sein kann, einem Drogensüchtigem helfen zu wollen). Trotzdem soll man es wenigstens versuchen.

Hurrah für den Obdachlosenfußball!!

Deine marta



et cetera
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